Fernwärmenetze

Wir leben in einer sehr dynamischen Zeit, ob auf sozialer oder auf technischer Ebene spielt dabei kaum eine Rolle. Immer wieder heben wir die Globalisierung und Liberalisierung hervor. Aus diesem Grund haben wir beispielsweise das Stromangebot von der Stromlieferung getrennt. Die Monopolstellung der Netzbetreiber, die aufgrund der Komplexität des Stromnetzwerkes kaum anders realisierbar ist, war nicht länger ein Hemmnis für einen offeneren Stromhandel. So konnte sich eine Vielzahl von Stromanbietern aufstellen, die Konkurrenz beleben und den Interessen der Konsumenten weit mehr Gewicht verleihen. Schließlich kann nur derjenige wählen, der eine Wahl hat. Diese Konkurrenz, dieses Angebot von Alternativen ist es, die die Macht des Kapitalismus an den Konsumenten gibt. Besteht ein zu starkes Monopol oder wird dieses gar durch Gesetze geschützt, wird dem Konsumenten die Macht entzogen. In diesem Fall wird der Kapitalismus von den Kapitalgebern beherrscht mit der viel zitierten Folge: Geld kommt zu Geld. Und jeder, der kein Geld hat, muss dafür bezahlen.
In diesem Sinn ist es wirtschaftlich fragwürdig, Gebäuden in einzelnen Gebieten gesetzlich vorzuschreiben, sich an ein vorhandenes Fernwärmenetz anzuschließen. Doch genau das ist in den vergangenen Jahren geschehen – immer mit dem gleichen Argument: Blockheizkraftwerke produzieren umweltschonend Wärme. Dabei weiß man heute, dass BHKW eine Kostenfalle waren, die sich nur aufgrund von Subventionen tragen konnten. Profitiert haben dabei zwei Parteien. Die Betreiber der Fernwärmenetze und jene, die die BHKW gewartet haben. Natürlich wird es auch gerne so dargestellt, dass der Wärmekunde auch profitiert – aber warum dann der Anschlusszwang?
Einmal kann man sich irren, aber wenn es mit System und Unverständnis geschieht, wird es gefährlich. So oder so ähnlich könnte man zusammenfassen was hierzulande und auch im nahen Ausland in Bezug mit Fernwärmenetzen geschehen ist, und manchenorts noch geschieht.
Heutzutage werden bei bestehenden Fernwärmenetzen die BHKW gegen Pelletkessel oder Holzhackschnitzelanlagen ausgetauscht und das Märchen vom Umweltschutz wird weiter erzählt.
Obwohl wir versuchen, unsere Gebäude immer sparsamer zu bauen, lassen wir es dennoch zu, dass Effizienz verloren geht, weil viel zu hohe Temperaturen produziert werden, dass Wärmeverluste das Erdreich aufwärmen und ganzjährig Strom verbraucht wird, einzig mit dem Ziel warmes Wasser über mehrere hundert Meter bis zu einigen Kilometern im Kreis zu pumpen. Wir verbrennen unsere Potenziale, damit auch in Zukunft Stick- und Schwefeloxide im Sommer Smog produzieren und Feinstaub unsere Gesundheit und Lebensqualität gefährdet.
Umweltschutz stelle ich mir anders vor.
Zwei Dinge laufen bei Fernwärmenetzen grundlegend falsch. Einerseits dürfte es keine Anschlusspflicht für Wärmekunden geben und andererseits bräuchte es eine Liberalisierung der Wärmenetze, damit jeder, der fähig und willens ist, Abwärme oder überschüssige Solarenergie einzuspeisen, das auch kann. Wird beiden Forderungen nicht nachgegangen, dann können wir uns einer Sache gewiss sein: Fernwärmenetze sind nur im Interesse der Lobbyisten, zerstören unsere Potenziale und untergraben die Entscheidungsfreiheit einer zusehends sensibilisierteren und verantwortungsbewusster handelnden Gesellschaft.