Papierverschwendung im Briefkasten

Seit dem Mittelalter hat sich unser Selbstverständnis für Technik mit zunehmender Geschwindigkeit entwickelt. Während lange Zeit die Herstellung und der Konsum materieller Produkte im Fokus standen, sind die letzten dreißig Jahre zunehmend von einer Digitalisierung geprägt. Neben Schattenseiten bringt diese aber auch Vorteile mit sich, die es bei umsichtiger Nutzung erlauben, die Umwelt zu schonen und Zeit zu sparen, die für sinnfreie Produktion und Konsum benötigt würde.

Mit zunehmender Sensibilisierung schaffen es viele ihren Müll zu reduzieren. Sei es durch bewusste Konsumentscheidungen oder die Annahme des Angebots, Rechnungen und bei Interesse gar Werbung per Email zu halten.

Doch eine Bastion der Papierverschwendung bleibt durch politische Entscheidungen für den einzelnen Einwohner uneinnehmbar – der Briefkasten. Trotz Aufkleber trudeln unaufgefordert Werbung, Prospekte oder gar Briefe ein, die zu einem großen Teil direkt im Papierkorb landen.

Dabei ist im Prinzip das Zusenden von Müll verboten, wenn es der Abnehmer nicht wünscht oder nicht vertraglich dazu verpflichtet ist. Doch für den Briefkasten gilt dies nicht, da Lobbyvertreter es schaffen, dass der Gesetzgeber hier eine analoge Entmündigung vornimmt.

Der Staatsapparat als schlechtes Beispiel

Selbst der Staat an sich, mit Hilfe seiner Administrationen, übt sich noch fleissig darin Papier zu drucken und jedem zukommen zu lassen. Dass es Menschen gibt, die darauf angewiesen sind, stelle ich nicht in Abrede und auch für solche, die das Papierformat bevorzugen, möchte ich das nicht widerspenstig machen. Aber mit den allgemein geäußerten Umweltzielen und dem gestiegenen Umweltbewusstsein, finde ich es bedauerlich, dass nicht – einer Demokratie würdig – das Wahlrecht auf analoge Unversehrtheit besteht.

Dabei wird auf vielen Formularen bereits eine Emailadresse abgefragt. Lediglich genutzt wird sie nicht und so werden Subventionen angefragt – selbst für Investitionen in den Umweltschutz und darauf folgen drei Briefe. „Wir haben ihre Anfrage erhalten“, „wir haben es geprüft und für gut empfunden“ und schließlich „Ihr Geld wird bald überwiesen“. Dabei gibt es eine Denkweise die das Papier rechtfertigen würde: Der Datenschutz kann nicht gewahrt bleiben. Nur warum wird die Emailadresse dann abgefragt? Zusätzlich gibt es MyGuichet.lu, wo solche Benachrichtigungen nach Wahl des Adressaten eintrudeln könnten. Auch Rundschreiben könnten hier aufgeführt werden und den Empfänger eine Email zukommen lassen, dass sein virtueller Briefkasten neue Benachrichtigungen aufweist.

Der Staatsapparat als Musterschüler

Bei vielem zeigen staatliche Organe und parastaatliche Unternehmen bereits, dass sie es können. Über MyGuichet ist vieles digital abwickelbar – Gehaltszettel, Bescheinigungen von Krankenkassen und vieles mehr können hier papierlos angefragt und empfangen werden.

Im Prinzip benötigt es längst keiner Papierrundschreiben mehr – einzelne Dokumente in Krisenzeiten könnten als Ausnahme fungieren – und selbst dafür gibt es Lösungen.

Die Listen von Adressen sind über mehrere Schnittstellen mit den Einwohnern verknüpft und hier braucht es auf MyGuichet nur einige Felder, welche Form von Benachrichtigungen digital erhalten werden sollen. Alle die diese Option nicht wählen erhalten weiterhin ihre Papierbriefe mit personalisierter Anschrift.

Kleinvieh macht auch Mist

Nur als Vergleich, damit einem die Ausmaße bewusst werden. Ein Rundschreiben mit einem DIN A4 Blatt Papier in einem Standard-Briefformat, das an alle Haushalte in Luxemburg (ca. 255 000) versendet wird, benötigt insgesamt 2 300 kg an Papier und 1 600 m² an Plastikfolie (Fenster für Adressen). Allein das Papier entspricht 908 Blöcken mit je 500 Blatt DIN A4-Papier. Um das zu rechtfertigen sollte es schon einen gewichtigen Grund geben.

Auswirkungen von Rundschreiben als Brief

Parallelen zu anderen Bereichen

Hausieren wurde verboten, damit Menschen nicht belästigt und über den Tisch gezogen werden. Spammails werden mit aufwändigen Algorithmen herausgefiltert und es ist untersagt Werbung mit Hilfe von Telefonanrufen zu verbreiten. Selbst Banken ist es verboten ohne schriftliche Erlaubnis ihre Kunden zu kontaktieren. Einzig der Briefkasten ist als Einfallstor gesetzlich privilegiert, wohl weil sonst die Wirtschaft geschädigt würde, sollte keiner mehr Dinge kaufen, die er nicht benötigt. Jedes Schreiben was als „Toute boite“ vertrieben wird, ist nichts anderes als legalisierte Spam vor der sich der Empfänger bis auf einen spirituell anmutenden Aufkleber nicht schützen darf.

Wirtschaft 2.0

Wir leben in einer spannenden, aber auch merkwürdigen Welt, mit einer Wirtschaft, die scheinbar alles verwirklichen kann. Kommunismus und Planwirtschaft haben sich nicht bewähren können und wir loben unseren Kapitalismus als effizientes Instrument und Lobbyisten werden nicht müde, uns zu erzählen, dass er sich allein kontrollieren kann und fähig ist, all unsere Probleme zu lösen, da er vor allem eines ist – effizient und effizienzfördernd.

Aber was ist, wenn wir genau hinsehen?

Dann sehen wir, dass wir Gläser herstellen, um darin Lebensmittel zu transportieren und zu lagern, um diese dann nach dem Gebrauch zu zerschlagen, bei 900 °C einzuschmelzen und neu zu formen, weil es zu aufwändig wäre, sie schadfrei zurückzugeben und zu reinigen – gut, dass Energie billig ist. Wir fällen Bäume um daraus Zellulose zu gewinnen und schließlich Papier herzustellen, durch die Gegend zu fahren, um dann die Finger abzutrocknen und drei Sekunden später wegzuschmeißen, um es dann erneut durch die Gegend zu fahren, damit wir uns an dem Gedanken erfreuen, es recyceln zu können. Dabei wäre es so einfach, die Hände elektrisch zu trocknen.

Marmeladenglas_WZ

Aber so richtig absurd wird es, wenn wir unsere Briefkästen öffnen und uns trotz des angebrachten „Keine Reklame“-Schild bunt bedruckte Werbung entgegenlacht, am Besten noch in Plastik eingeschweißt. Vieles davon landet gleich im Papierkorb – Recycling ist wichtig, und so werden hohe Quoten erreicht.

Aber warum können wir nicht verbieten, dass wir ungewollt zugemüllt werden?

Richtig, wir müssen die Wirtschaft schützen. Dabei frage ich mich, was der Eigenwert der Wirtschaft ist? Im Prinzip ist es nur der Rausch des Wachstums. Für den Menschen zählen nur die Bedürfnisse, die die Wirtschaft abdecken kann. Folglich sollten die Bedürfnisse der Menschen im Fokus stehen, und nicht die Erweckung von unbekannten Bedürfnissen durch Werbung – allein der Gedanke ist schon ineffizient.

Wenn es tatsächlich so ist, dass wir Arbeit brauchen, um glücklich zu sein, dann gibt es so viele sinnvolle Tätigkeitsfelder. Durch die Herausforderungen der Ressourcenschonung und erst recht durch soziale Arbeiten wird es keinen Mangel an Arbeit geben können, auch nicht wenn Digitalisierung und Automatisierung viele Arbeitsplätze überflüssig macht. Eine ressourcenschonende Wirtschaft ist der größte Produzent an Arbeit der uns offen steht, und es sind Arbeitsplätze, die nicht ins Ausland verloren gehen können, da sie immer beim Endkunden entstehen, egal ob durch direkte Weiternutzung oder Reparaturangebote.

Auch rühmen wir Entwicklungsländer uns dafür, dass wir einen bedeutenden Dienstleistungssektor haben, doch wir haben Angst den nächsten Schritt zu gehen. Wenn wir die Wirtschaftsdiskussionen zusammenfassen, so wollen wir einen Wirtschaftswachstum, den wir in Form Bruttoinlandsprodukt (BIP) messen, und wir wollen einen starken Dienstleistungssektor. Das führt aber dazu, dass die Produktion der Rohmaterialien ins Ausland fließt und dort die Umwelt schädigt. Auf lange Sicht ist dies kein Wirtschaftsmodell. Das bedeutet, dass wir unser durchaus anzweifelbaren Zielsetzungen dadurch erreichen könnten, dass wir uns von der Produktion der Güter zumindest teilweise lossagen, und ein Wirtschaftsmodell aufbauen, das genutzte Gegenstände wieder veräußert und solange wie möglich aktiv im Wirtschaftsgeschehen belässt und bei jedem Weiterreichen aufs neue Arbeit in Form von Dienstleistung (Reinigung, Aufwertung und Verkauf) schafft und gleichzeitig den BIP steigert – ohne, dass dadurch Ressourcen aufgebraucht würden.

Das Potenzial ist riesig.

Das wird jedem bewusst, der in unseren festen oder mobilen Recyclinghöfen eine Weile stehen bleibt und sieht, was alles angeliefert wird. Vieles von dem ist absolut brauchbar und landet, wegen Zeitmangel, im Sperrmüll, da es sich nur schwer in seine Bestandteile trennen lässt oder sich schlecht recyceln lässt. Oft genug plagt die Menschen, die sich von so etwas trennen, ein schlechtes Gewissen, weil sie wissen, dass es noch brauchbar ist, sie aber keinen Nutzen daran haben. Hier und da ist die Frage zu hören, ob man dies nicht gesondert abstellen könnte, damit ein Anderer es sich nehmen kann. Doch oft fehlt die Zeit und der Platz, denn auch wenn etwas noch brauchbar ist, findet sich nur schwerlich auch der passende, der eben an der Stelle ist und dies nutzen wollen würde. Flohmärkte sind zwar eine gute Alternative, aber mühselig und zeitaufwändig. Was hier fehlt ist der große Markt, die kritische Masse, die es benötigt, um die Transaktionskosten so sehr zu senken, dass sich eine Dynamik entwickeln kann, die zu einem sich selbst tragenden Wirtschaftsmodell führt. Das Angebot ist riesig – alles was fehlt ist die Logistik. Es ist das Marmeladenglas, das wir lieber neu produzieren, anstatt es einmal zu waschen, um es erneut zu verwenden. Es ist, weil wir keine Zeit haben, weil wir uns lieber darauf konzentrieren, die Wirtschaft durch Werbung anzukurbeln, damit wir Zeit damit verbringen können, jene Gegenstände zu produzieren, von denen wir uns haben einreden lassen müssen, dass wir sie brauchen könnten – und wenn nicht, nun dann werfen wir sie weg, deshalb gibt es doch schließlich Recyclinghöfe. Es lebe die Wirtschaft, es lebe der Kapitalismus, es lebe die effiziente Produktion.

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Holzprojekt

In letzter Zeit finden sich immer öfter Stellen, wie diese, wo Holz als Dekoration oder als Nutzgegenstand verwendet wird. Es ist schön und gleichzeitig wichtig, dass Holz in seiner Form gewahrt wird, und so als Kohlenstoffsenke aktiv bleibt, und dadurch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten kann.

Auch ist es eine klare Wiederlegung der oft zitierten Behauptung, dass Nachhaltigkeit Arbeitsplätze bedrohen würde. An Stätten wie diesen sieht man das genaue Gegenteil. Lokale Rohstoffe werden mit sehr viel Fleiß, Leidenschaft und vor allem auch Kreativität und Handfertigkeit zu einer Mischung aus harmonischen Kunstwerk und Nutzgegenstand aufgewertet. Das ist gelebter Klimaschutz, und sinnvolle Arbeit, die rein gar nichts mit der Fließbandarbeit unserer effizient produzieren Konsumgesellschaft zu tun hat. Auch ist es wirklich als CO2-neutral bezeichenbar, nicht wie stupides Holzverbrennen, wobei nichts dagegen spricht, dieses Holz auch in zehn bis fünfzig Jahren dennoch zu verbrennen, wobei bis dahin wohl ein beachtlicher Teil der Hackschnitzel sich zu kohlenstoffreicher Erde umgewandelt haben dürften, und nicht mehr zu Kohlenstoffdioxid zerfallen werden.
Ich hatte nicht schlecht gestaunt, als ich neben einem Fahrradweg im Wald diese Kegelbahn aus Holz vorfand. Nur die Kegel und Kugeln fehlten noch, aber dazu ist unsere Gesellschaft wohl noch nicht bereit, denn diese würden wohl zu schnell gestohlen werden – leider. Aber auch so ist es schon ein beeindruckendes Beispiel, wie Gemeinden sozialen Mehrwert schaffen können.

Die Krönung war dann als ich das Amphitheater bemerkte, dessen hintere Säulen mit Skulpturen versehen waren. Alles in Allem eine gelungene Arbeit, die erkennen lässt, mit welcher Hingabe hier bis ins letzte Detail gearbeitet wurde.
Deshalb möchte ich einen großen Dank an die Gemeinde Bech, alle Verantwortlichen und besonders auch an alle Mitwirkenden aussprechen. Vielen Dank der Gemeinde Bech und dem Naturpark Mellerdall.

Mehr Fotos unter www.kohlenstoffsenken.blogspot.lu.

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Putzaktion längs der Straßen

Obwohl es, wie von den Wetterfröschen versprochen, regnete, trafen sich zahlreiche Einwohner in Kulturhaus in Wasserbillig und in Mertert, um an der von der Umweltkommission organisierten Putzaktion längst den Straßen der Gemeinde Mertert teilzunehmen. Viele Gleichgesinnte unterschiedlichsten Alters wollten an diesem Tag ein Zeichen setzen und etwas verändern, was vielen nicht gefällt, aber nichts dagegen unternehmen, weil sie sich nicht verantwortlich fühlen oder denken, dass ein Einzelner ohnehin nichts bewirken kann.

Vermüllte Parkplätze trotz Mülleimer.

Müll neben dem Mülleimer

Mit strahlend gelben Westen im Regen schön sichtbar wurden mehrere Routen in der gesamten Gemeinde in Angriff genommen. Eine vierer Gruppe startete an einem Rastplatz in Mompach und wurde dort gleich von der Arbeit in Beschlag genommen. Trotz schließbarer Mülltonne war großflächig mitunter sonderbarer Müll verteilt. Es begann mit einem offenbar neunteiligen Plastikpuzzle, das ein Kind wohl unfreiwillig verloren hatte und dessen Stücke sich bereits in die Erde vergraben wollten. Ein akkuloser Laptop erwartete die Truppe am Waldesrand und während die zahlreichen Plastiktüten, die in den Wald geweht worden waren die erste Sammeltüte bereits füllte, fanden sich einige Meter in den Wald hinein vier Radfelgen von Fahrrädern sorgsam an einen Baumstamm gelehnt. Dies alles wurde am Rastplatz zurückgelassen und später von der Gemeinde abgeholt und damit begann für diese Gruppe die eigentliche Putzaktion längs der Straße.

Alte Gewohnheiten einzelner Autofahrer fanden auch an jenem Tag ihre Bestätigung, denn es scheint eine Vorliebe zu sein, seinen Müll in Außenkurven aus dem Fenster zu entsorgen – wohl wegen der Fliehkräfte. Auch blieben diesmal Bitburgerdosen unangefochten Spitzenreiter, gefolgt von Energy- und Softdrinks. Aber auch Sekt-, Jägermeister und Martiniflaschen ließen die Tüten schwer werden.

Unfallställe nicht aufgeräumt hinterlassen.

Brandstelle

Nebst den unregelmäßig auftauchenden Autokleinteilen fand sich auf der Echternacher Strecke auch eine stümperhaft geräumte Unfallstelle eines roten VW. Wieder musste eine Tüte für die Gemeinde zurückgelassen werden, als Frontlicht, mittiger Rückspiegel und der Tank der Sprühanlage sowie diverse Blech- und Plastikteile aufgesammelt waren. Kurioserweise hatte jemand versucht das Ganze durch ein Feuer im Gebüsch des Waldrandes zu beseitigen.

Ein drohender Tütenmangel wurde durch eine gefundene Ökotüte entschärft und als die Strecke zur Hälfte geschafft war, bot eine zurückgelassene Kaffeemaschine den Sammlern ihre Dienste an – leider fehlten die Krüge und eine Steckdose war auch nicht zu finden.

Ökotüte

Hilfe der Umweltverschmutzer.

Möchte man über Autofahrer schimpfen, die ihren Müll aus den Fenstern werfen, so muss man doch verteidigend sagen, dass es sich zu bessern scheint, denn mehr und mehr Umweltverschmutzer sammeln ihren Müll in Tüten und werfen diese dann säuberlich verknotet aus dem Fenster um das Einsammeln, wie bei dieser Aktion, zu erleichtern.

Müll in Tüte

Mit wenig von vielen kann auch viel erreicht werden.

Mit dem Ortsbeginn von Mertert nahm die Müllmenge deutlich ab, weil die Gemeinde selbst regelmäßig Putzaktionen durchführt und wohl auch Spaziergänger hin und wieder ein fremdes Müllstück aufheben und entsorgen, um ihre Umwelt für sich und andere sauberer zu halten. Stellen sie sich die Menge vor, die aufgeräumt würde, wenn jeder ein Einwohner in Luxemburg einmal die Woche spazieren geht und dabei ein Müllstück beseitigt. Würde eines im Durchschnitt 3 Gramm wiegen, dann wären das am Ende des Jahres 75 Tonnen. Kleinvieh macht eben auch Mist.

Wie viele an der diesjährigen Putzaktion teilgenommen haben wurde deutlich, als alle beim Feuerwehrbau in Mertert eingetroffen waren. Mit einer deftigen Suppe, Kaffee und Kuchen entlohnte die hiesige freiwillige Feuerwehr alle Teilnehmer und sorgte für einen geselligen Nachmittag.

Welche Produkte sich am häufigsten finden habe ich einmal in einer Tabelle festgehalten.

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Visitenkarte unserer Gesellschaft

Den Zivilisierungsgrad einer Gesellschaft erkennt man daran, welche Spuren diese hinterlässt, wenn sie vorbeizieht. Dann wird ersichtlich, ob es eine Horde Wilde war, oder ob sie sich als zivilisiert bezeichnen darf.
Trotz unserer modernen Gesellschaft bliebt leider der Beweis einer zivilisierten Gesellschaft oftmals aus, wenn wir uns in großen Mengen versammeln. Vielmehr zeigt sich ein Bildnis von Gleichgültigkeit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen gegenüber. In den Müllbergen spiegelt sich unsere Selbstverständlichkeit wieder, mit der wir Ressourcen verschwenden. Selbst die Muße den Abfall zu trennen, um diesen teilweise zu recyceln, wollen wir uns nicht auferlegen. Denn wie es scheint ist Recycling für unser Privatleben als Option vorbehalten, nicht aber als etwas, das wir als gesellschaftliches Ziel erachten. Der Konsum- und Komfortgedanke wird hochgehalten, und Vernunft als spießig verschrien.
Dabei wäre es insbesondere bei Großveranstaltungen sehr einfach, tonnenweise PET-Flaschen gesondert einzusammeln. Vielleicht mag manch einem dies die Mühe nicht wert sein, weil es im Vergleich zu den jährlichen Müllmengen wenig erscheint, aber vor allem hier wird das Bemühen unserer Gesellschaft deutlich. An Orten wie diesen zeigen sich unsere Prioritäten und das Porträt unserer Gesellschaft.
Viele denken, dass der erste Eindruck wichtig ist, aber für eine Zivilisation ist das was bleibt, woran sie gemessen werden kann. Unser Müll ist unsere Visitenkarte, die wir zurücklassen, bevor wir weiter ziehen. Vielleicht ist es nur ein subjektiver Eindruck, aber ich würde mich schämen, einen solchen Eindruck zu hinterlassen. An jedem ist es selbst, zu entscheiden, wie er unsere Visitenkarte einordnen möchte, ob zivilisiert oder als die eines Barbaren, verantwortungsvoll oder als Vandalismus.

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Wir sind so rasch bei der Hand mit Vorurteilen Fremden gegenüber, aber unsere Werte gehen nicht durch Ausländer verloren. Werte entstehen durch unser Handeln. Kultur ist das, was wir leben und nicht nur zuhause, sondern vor allem als Gesellschaft in der Öffentlichkeit.
Bevor wir über andere richten sollten, haben wir noch viel Dreck vor unserer eigenen Haustür, den wir beseitigen müssen.

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Spiegelbild der Gesellschaft – Regeln oder Vernunft

Vieles in unserem Leben und in unserer Gesellschaft ist geregelt. Doch welchem Ziel dienen diese Regeln und auf welche Weise beeinflussen sie unser Handeln? Wissen wir um die sozialen Folgen der Regeln oder sprechen wir ihnen einen Selbstzweck zu, weil wir uns an sie gewöhnt haben?

Regeln müssen sein. Aber ebenso müssen Regeln und ihr Wirken verstanden werden. Es ist wichtig, die richtigen Regeln zu finden und diese derart in Kraft zu setzen, dass sie die gewünschte Wirkung entfalten. Dazu ist nicht die Politik gefordert, sondern in erster Linie die Gesellschaft, die durch ihre Wünsche, aber auch ihre Abneigung gegenüber Änderungen das politische Handeln maßgeblich beeinflusst.

Dieses Buch ist eine Textsammlung mit dem Ziel, Gedankenanstöße zu geben, indem es einzelne Bereiche unseres gemeinschaftlichen Lebens beleuchtet und aufzeigt, wo Potenziale vergeudet werden, und Regeln ihr eigentliches Ziel verfehlen. Dazu zählen Automobilverkehr, Bausektor, Steuern und Subventionen und unser Konsumverhalten. Das Werk gibt als solches keine Antworten, es fordert vielmehr auf, den Selbstzweck von Regeln zu leugnen, die Regeln als Richtlinie, aber nicht als Rechtfertigung zu verstehen, aber auch zu akzeptieren, dass Einschränkungen notwendig sind, die uns fragwürdige Rechte wegnehmen und Strafen erforderlich sind, damit diese Regeln eingehalten werden.

Gleichzeitig ist es wichtig, dass wir aufhören, unseren Alltag mit Regeln zu pflastern und dem Menschenverstand mehr Gewicht zu kommen lassen.

Infos zum Buch:
94 Seiten
ISBN: 978-3-7418-3379-3
Preis: 8 Euro

Erhältlich bei Epubli oder in jeder gut sortierten Buchhandlung oder als Ebook.

Papierlose Büros; Schatten und Chance der Digitalisierung

Der Traum des „papierlosen“ Büros scheint längst ausgeträumt. Die Digitalisierung, die das Papier überflüssig machen sollte, konnte ihr Versprechen nur teilweise einhalten. Die Papierarchive sind heute tatsächlich leerer. Das liegt daran, dass die digitale Speicherung kostengünstiger ist und das Wiederfinden der Dokumente deutlich leichter. Aber genau darin besteht auch ein großes Problem, das sich häufig durch einen höheren Papierbedarf wiederspiegelt.

Man muss seine Papierdokumente nicht mehr aufbewahren, denn sie sind digital verfügbar. Lesen möchte man sie dann doch lieber auf Papier und so druckt man das gleiche Dokument wieder und wieder aus, selbst dann wenn ein Kollege es noch hat. Das Drucken kostet schließlich nichts. Jedenfalls nichts, das wahrgenommen wird.

Auf diese Weise werden an vielen Stellen die zuvor angepriesenen Vorteile der Digitalisierung zunichte gemacht. Im Prinzip kann es nur eine wirksame Maßnahme geben, um gegenzusteuern. Papier muss etwas kosten, und zwar so viel, dass es als Kostenposten in den Unternehmen deutlich wahrgenommen wird und ein Anreiz besteht, konsequent Papier einzusparen. Leider wird viel zu häufig, und viel zu leichtfertig gedruckt.

Durch eine großzügige Papiersteuer, von beispielsweise 0,25 ct/g Primärpapier, könnten zwei Ziele gleichzeitig erreicht werden. Erstens würde der Reiz steigen, Papier einzusparen. Vor allem dort, wo dieses tonnenweise mit bedeutendem Mengenrabatt eingekauft und bedruckt wird. Zweitens könnte dem verbrauchten Papier ein Mehrwert verliehen werden, indem Recyclingpapier vergleichsweise günstiger würde und dessen Nachfrage deutlich steigen würde, vor allem auch im Privatbereich, wo die Steuer dann nicht zu einer Belastung führen würde. Dies würde dazu führen, dass der Recyclinganteil im Papiermarkt steigt sowie auch der Erlös der Recyclingunternehmen.

Es gibt aber auch Bereiche in denen die Digitalisierung ein Teilziel erreicht hat, oder zumindest gute Fortschritte beim Papierkonsum erzielen konnte. So gibt es bei vielen Veranstaltungen oder Verkehrsangeboten die Möglichkeit auf eine Eintritts- oder Fahrkarte zu verzichten und stattdessen einen digitalen Code vorzuzeigen. Viele Zeitschriften und Werbeangebote konzentrieren sich auf den digitalen Markt und können sich dort beliebig vervielfältigen, ohne Papierressourcen zu beanspruchen.

Aber immer noch erhält man viel Papier, das man eigentlich nicht benötigt oder gar als lästig empfindet. Warum haben wir in so vielen Geschäften Kundenkarten, damit diese unsere Daten speichern und bekommen dann dennoch einen Kassenzettel in die Hand gedrückt. Viele lehnen sie ab oder zerknüllen sie und werfen sie unbeachtet weg. Dabei ist es meist noch Thermopapier, das sich nicht recyceln lässt. Es wäre doch einfach, uns an der Datenflut teilhaben zu lassen und mittels Code oder E-Mail online auf unsere Einkäufe blicken zu lassen oder die Zettel nur auf Wunsch zu drucken. Dadurch würde viel Zeit, Geld und Ressourcen gespart werden. Aber wie bei vielem ist unser Handeln nicht von Vernunft geprägt, sondern von Prinzipien, die wir als unveränderlich halten.

Müllhalde Straße

Warum liegt so viel Müll entlang den Straßen? Nach einigen Fahrradtouren hat uns dieser Anblick so sehr gestört, dass wir uns vorgenommen haben, etwas daran zu ändern. Wir haben uns die Frage gestellt, was jene konsumieren, die ihren Müll aus dem Fenster werfen. Deshalb haben wir uns ausgerüstet und uns auf den Weg gemacht, zwei Straßen bis in das jeweilige Nachbardorf zu säubern und dabei festzuhalten, was wir finden würden.

Wir sind, was wir konsumieren! Deshalb war es für uns spannend heraus zu finden, wer die Menschen sind, die so dreist unsere Umwelt verschmutzen. Dabei ist an jeder Bushaltestelle und an jeder Tankstelle eine Mülltonne. Selbst wenn man seinen Abfall nicht mit nach Hause nehmen möchte oder verhindern möchte, dass der Chef weiß, was man unterwegs getrunken hat, so braucht man nur einmal kurz stehen zu bleiben und den Müll in eine Mülltonne zu werfen. Aber vielleicht verrät uns der Müll, warum das nicht geht.

Ein Grund wurde uns sehr schnell klar. Redbull verleiht Flügel. Auch wenn es nicht wörtlich für den Trinker gilt, so aber scheinbar für die Dosen, denn diese sind unangefochten Spitzenreiter entlang der Straße mit einer Dose pro hundert Meter.

Gezählt haben wir nur das, was sich einer Marke zuordnen ließ, mit der Ausnahme von To-Go-Bechern, die wir gemeinsam gezählt haben, da diese nicht selten waren, aber die Firmenlogos samt der Aufschrift bereits ausgewaschen und die Giftstoffe bereits versickert waren.

Nach dieser Aktion können wir einiges sagen.

Der klassische Umweltverschmutzer fährt leicht alkoholisiert oder versucht durch Energiedrinks den Sekundenschlaf zu unterbinden. Andere Umweltsünder sind derart gestresst, dass sie sich mit einem Glimmstengel beruhigen müssen, während sie die Zigarettenschachtel aus dem Fenster werfen. Das, was wir aber in unseren Weltmeeren später wiederfinden werden ist das, was jene hinterlassen, die die Plastikverpackung ihrer kleinen Snacks achtlos aus dem Auto werfen. Selbst mit guten Willen kann man hiervon nur mehr einen kleinen Teil einsammeln.

Was liegt neben unseren Straßen

Dabei ist die traurige Wahrheit, dass wir nicht alles aufheben konnten. Einige Plastikverpackungen konnten wir nicht aufsammeln, weil sie durch die Freischneider der Straßenmeisterei bereits so sehr geschreddert und verteilt worden sind, dass es an Sisyphusarbeit gegrenzt hätte, sie aufzuheben. Aber genau das wird es sein, was später in die Bäche, Flüsse und schließlich in die Ozeane gelangt.

Ein anderes Übel waren die unzähligen Zigarettenstummel (aufgeführte Zigarettenmarken beziehen sich nur auf die jeweiligen Schachteln) die sich bis auf die Filter bereits aufgelöst hatten. Die Filter blieben aber fest in der Erde verklebt übrig, und es schien aussichtslos, diese aufzusammeln. Ohnehin ist das Übel bereits verrichtet, sobald der Filter vom Regen ausgewaschen ist, denn was danach noch übrig bleibt, ist biologisch abbaubar.

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Optisch und für die Umwelt konnte diese Aktion nicht viel bewirken, aber wenn dadurch der ein oder anderer in Zukunft seinen Müll nicht mehr aus dem Fenster wirft, dann haben wir das erreicht, was wir wollten. Die Natur ist keine Müllhalde!

Weiter unten ist die Tabelle mit den Marken, die wir gefunden haben aufgeführt. Der Müll war auf ca. 5 km verstreut. Es war erkennbar, dass bei Teilstrecken, wo kürzlich gemäht wurde, der Müll zum großen Teil aufgehoben worden war.

Müll entlang der Straße

Red Bull 48 Energydrink
To Go Becher 35 To-Go Becher
Coca Cola 24 Softdrink
Bofferding 20 Bier
Bitburger 16 Bier
Malboro Zigarette 14 Zigaretten
Bifi 9 Snack
Kinder 8 Snack
Wisten 8 Zigaretten
Diekrich 7 Bier
Ducal 7 Zigaretten
Fanta 7 Softdrink
Nalu 7 Energydrink
Christaline 6 Wasser
Golden Power Energy drink 6 Energydrink
River 6 Softdrink
Camel Zigaretten 5 Zigaretten
Capri Sonne 5 Softdrink
Elixir Zigaretten 5 Zigaretten
Haribo 5 Snack
L&M Zigaretten 4 Zigaretten
Lindor 4 Snack
Milka 4 Snack
Wrigleys spearmint 4 Snack
Austin Zigaretten 3 Zigaretten
Budweiser 3 Bier
Eukalypthus-Menthol 3 Snack
Hochwald 3 Softdrink
John Player Special 3 Zigaretten
Monster 3 Energydrink
Poll Fabaire Papierverpackung 3 Alkohol
Actimel 2 Snack
Airways 2 Snack
Battin 2 Bier
Beckerich 2 Wasser
Bounty 2 Snack
Bural 2 Bier
Côte d’or 2 Snack
Coup de Fleur liquide Tube 2 divers
D.O.C. Alentejo 2 Alkohol
Delais 2 Rechnung
Evian 2 Wasser
Fische 2 Feuerzeug
Gletscher Eis 2 Snack
Heineken 2 Bier
Hübner 2 Snack
JP 2 Alkohol
Lays Nature 2 Snack
Lollies 2 Snack
Magnum 2 Snack
Mars 2 Snack
Maryland 2 Zigaretten
Meli Honigkuchen 2 Snack
Mister Choc 2 Snack
Pall Mall Zigaretten 2 Zigaretten
Rio d’oro  Flipper 2 Snack
Sanpellegrino 2 Wasser
Schwartau clever Snack 2 Snack
Vittel 2 Wasser
Alnatura 1 Snack
Alos 1 Snack
Arioso 1 Snack
Babybel 1 Snack
Balisto 1 Snack
Black 1 Energydrink
Brust Karamellen Verpackung 1 Snack
Cactus 1 Rechnung
Chesterfield 1 Zigaretten
Contrex 1 Taschentücher
Crusty Croc 1 Snack
DAB (Bier) 1 Bier
Danone 1 Softdrink
Esso Taschentücher 1 Taschentücher
Finley 1 Softdrink
Fischer 1 Snack
Freeway 1 Softdrink
Fresh Life 1 Snack
Giotto 1 Snack
Isostar 1 Snack
Jean Pierre Briochette 1 Snack
Jeffe 1 Bier
Joker 1 Softdrink
Jupiler Bier 1 Bier
Kent Zigarette 1 Zigaretten
Kuckenmeister 1 Snack
Label 5 1 Alkohol
Lactolus 1 Softdrink
Le gourmet 1 Snack
Lotus 1 Snack
Maître Jean-Pierre 1 Snack
Martini 1 Alkohol
Maya 1 Zigaretten
McDonalds 1 Snack
Mentos 1 Snack
Merlot 1 Alkohol
Millville 1 Snack
Minute Maid 1 Softdrink
Mobana 1 Snack
Mojito 1 Alkohol
Nestlé Pure Life 1 Wasser
Nono 1 Softdrink
Nuts 1 Snack
Öko Tüte 1 divers
Orangina 1 Softdrink
Oreo 1 Snack
Ovo 1 Snack
Pallas éclairs 1 Snack
Parasilic 1 Silikon
Partacas 1 Zigaretten
Pasante 1 divers
Paulaner 1 Bier
Paulaner 1 Bier
Pepsi 1 Softdrink
Petit Bistro 1 Snack
Quick Verpackung 1 Snack
Reinsa Pudding 1 Snack
Renners 1 Schimmel Stop
Roxane 1 Wasser
Sagrés 1 Bier
Sammy 1 Taschentücher
Saskia 1 Wasser
Scharpantgen 1 Snack
Schinkenverpackung 1 Snack
Simon Pils 1 Bier
Solevita 1 Softdrink
Sublimo 1 Taschentücher
Super Bock 1 Bier
Tempo 1 Taschentücher
Tom 1 Feuerzeug
Twix 1 Snack
Vinmoselle 1 Alkohol
Viva 1 Wasser
Wilde Cigarillos Metallkiste 1 Zigaretten

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Wegwerfgesellschaft

Unser Konsum steht unserem sonstigen schnelllebigen Verhalten in nichts nach. Wir wollen jetzt erleben und alles so verdichtet wie möglich haben. Wir suchen den Nervenkitzel, weil wir uns keine Zeit nehmen wollen etwas zu genießen. Genauso stellt sich das bei unserem Konsum dar. Kaufen, nutzen, wegwerfen, weil es uns lästig wird und wir es überdrüssig sind. Dabei ist vieles von dem nicht unbrauchbar – oder müsste nicht unbrauchbar sein, nachdem wir es genutzt haben. Denn ob Müll oder Gebrauchswert entscheidet sich maßgeblich darin, für was wir uns beim Kauf entscheiden. Doch in den seltensten Fällen ist der anfallende Müll bei unserer Kaufentscheidung mitentscheidend. Erst einmal wird gekauft. Was danach kommt behandeln wir, als wäre es unabdingbar.

Dabei wollen wir als Gesellschaft einige Konsequenzen nicht, dennoch werden wir in den einzelnen Momenten der Entscheidung schwach und handeln entgegen unserer Überzeugung. Eine dieser Konsequenzen ist die Unmengen an Plastikabfall, der sich in unseren Weltmeeren ansammelt, die Fläche, die dort überdeckt wird, übersteigt die Flächen etlicher Staaten.

Wir wissen, dass unter anderem Plastiktüten, die wir im Supermarkt „kostenlos” erhalten einen großen Beitrag zur Plastikbelastung der Weltmeere ausmachen. In Umfragen würden die meisten ein Verbot dieser dünnen Wegwerftüten begrüßen, um die Umwelt zu entlasten. Doch die Politik reagiert viel zu langsam und die Individuen lassen sich ohne das Verbot im Alltag zu leicht verleiten, entgegen ihren Handlungsprinzipien zu handeln.

Die Müllmengen, die wir produzieren sind ein untrügliches Zeichen dafür, dass ein grundliegendes Problem in unserem Konsumhandeln liegt. Dabei ist nicht immer unser Unwissen daran schuld, oder gar, dass es uns im Allgemeinen gleichgültig ist. Vielmehr hapert es bei den einzelnen Entscheidungen, während denen wir die Konsequenzen ausblenden, weil wir nicht die Berge voller Müll sehen, sondern nur das kleine Stückchen Abfall, das sobald wir es nicht mehr brauchen für den Einzelner scheinbar spurlos verschwindet – aus den Augen, aus dem Sinn. Würde sich unser eigener Müll in unserem Garten auftürmen, würden wir irgendwann automatisch bewusster und sensibler agieren und entscheiden.

Ein wichtiges Element um sich von einer Wegwerfgesellschaft weiter zu entwickeln ist, dass einerseits die Konsequenzen für den Einzelnen spürbar werden, wenn nötig auch schmerzhaft. Ein zweites Element ist, dass jene unnötigen Stolpersteine entfernt werden, wo Individuen in einzelnen Momenten entgegen ihren Prinzipien handeln und Müll zwar nicht unbedingt wollen, ihn aber billigend in Kauf nehmen.

Ein Beispiel dafür sind Wegwerfbatterien, die viel zu günstig sind und das 500-fache an gefährlichem Müll hervorbringen, wie wieder aufladbare Batterien, die oftmals bloß aus Faulheit nicht verwendet werden. Hier muss gelten, dass derjenige, der aus Faulheit Müll verursacht für die überverhältnismäßige Müllproduktion bezahlt.

Bei Handys, Tablets und Co sind beispielsweise die Netzteile zu Normen und der Verkauf solcher Geräte, die sich nicht daran halten, zu verbieten. Werden dann neue Geräte verkauft, dürfen die Netzteile nicht mehr mit den Produkten verkauft werden, damit die Kosten eingespart werden können, wenn das alte und noch gebrauchsfähige Netzteil weiter verwendet wird.

Es ist gewusst, dass viele Produkte deshalb weggeschmissen werden, weil der Akku nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert. Deshalb sollte dringend verboten werden, Geräte zu verkaufen, deren Akkus nicht einfach austauschbar sind und gleichzeitig, unabhängig von irgendeinem Patentrecht, muss für jedes Produkt, von jedem Hersteller ein Ersatzakku angeboten werden dürfen. Damit sich hier ein starker Sekundärmarkt bilden kann, sollte überlegt werden, die Akkudimensionen in ihrer willkürlichen Vielfalt zu begrenzen, damit Hersteller nicht durch Sondermodelle ein Preisprämium auf ihre Akkus erheben können und so den Ersatz bewusst unattraktiv gestalten, nur weil sie neuen Müll verkaufen wollen.

Ein weiterer Stolperstein sind all jene Konsumgüter, die unter dem Deckmantel „gratis” veräußert werden. Es sollte dem unwissendsten Konsumenten bewusst sein, dass es „gratis” nichts zu kaufen gibt. Auf die eine oder andere Weise wird es bezahlt, dumm dabei ist nur, dass so Dinge gekauft werden, die wir nicht haben wollten, wenn wir sehen würden, wieviel wir dafür bezahlen müssen. So aber häuft sich Müll an, ohne dass es durch den Nutzen, den wir erhalten, gerechtfertigt wird.

Ein Beispiel dafür sind Koppelverträge, die in manchen Bereichen nicht ohne Grund verboten sind. In einigen Bereichen sind sie kurioserweise aber immer noch erlaubt. Erneut fällt hier besonders der Handymarkt ins Auge, wo man Dienstleistungen für Telefonie und Internet inklusive Handy erwerben kann, wo dem Kunden alle zwei Jahre ein „kostenloses” Handy zur Verfügung steht. Allein das Vorhandsein solcher Verträge, bei denen Kunden sich selbst betrügen lassen, ist für eine Unmenge an Müll und gleichsam einem Qualitätsverlust bezüglich der Lebensdauer dieser Produkte verantwortlich. Früher haben Mobiltelefone zehn und mehr Jahre gehalten. Heute sind sie meist nach zwei Jahren nur mehr Müll.

Tonne um Tonne gelangt bedrucktes Papier in unsere Briefkästen um uns „kostenlos” die Werbeartikel zu präsentieren, wobei ein Großteil von diesen Prospekten unbeachtet im Müll landet. Ohnehin sind die meisten dieser Prospekte bei Interesse online, im Geschäft oder auf einzelnen Auslegestellen erhältlich, ohne dass dafür tonnenweise sinnfrei Papier verschwendet und ausgeliefert werden muss. Auch „kostenlos” beziehungsweise durch Werbung finanzierte Zeitungen und Zeitschriften, die in die Häuser ausgeteilt werden, sind als Müllverstreuung zu bewerten, wenn der Empfänger diese nicht haben möchte. In diesem Sinne ist dieses Vorgehen aus strafrechtlicher Sicht illegal, wenn es Lobbyisten nicht fertig gebracht hätten, es als legal einstufen zu lassen. Eine Tatsache bleibt. Wir sind eine Wegwerfgesellschaft und so wie wir über Menschen aus der Steinzeit lächeln, werden spätere Generationen über uns als Müllmenschen sprechen. Dass diese darüber allerdings lachen werden, ist zu bezweifeln.

Pauschale Regelungen

Das meiste in unserem Leben wird durch das geprägt, was wir bewusst wahrnehmen. Wir weichen einem Hindernis aus, wenn wir es sehen. Wir lassen einen Gegenstand los, wenn wir spüren, dass er zu heiß ist. Unser Empfinden ist eines der wichtigsten Einflussgrößen, die unser Handeln dahin gehend beeinflusst unseren Schaden und den der Gesellschaft gering zu halten. Es heißt zwar „geteiltes Leid ist halbes Leid“, und in einer sozialen Struktur sollte dies auch angestrebt werden. Aber für alles gibt es Obergrenzen, denn der Entscheidungsträger sollte immer derjenige sein, der von seinen Entscheidungen den größten Teil der Konsequenzen zu tragen hat. Vor allem darf es niemals so sein, dass er die Konsequenzen nicht mehr wahrnimmt. Dies würde bildlich gesprochen dazu führen, dass wir in Hindernisse hineinlaufen und uns Schaden zuführen, ohne es zu bemerken und ohne eine Chance, es zu ändern.

Ein Beispiel dafür können Versicherungen sein. Genau aus diesem Grund haben Autoversicherungen einen Selbstbetrag, der bei jedem Unfall für den Versicherten fällig wird, damit dieser nicht leichtfertig eine Gefahr eingeht. Ebenso gibt es einen Mechanismus, um Autofahrer stärker zur Kasse zu bitten, die häufiger einen Unfall hatten, oder eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, einem Unfall nicht ausweichen zu können, wie dies z. B. bei Fahranfängern angenommen wird. Diese Wirkmechanismen sind allgemein bekannt, dennoch finden sie nicht überall dort Anwendung, wo der Einzelne durch individuelles Handeln den Schaden beeinflussen kann.

Im Prinzip sind Versicherungen ein sozialer Fond, in den jeder einzahlt, um im Falle eines stochastischen und schwerwiegenden Schadens Solidarität zu zeigen und dem Betroffenen sein Leid zu lindern. Dabei ist es keineswegs das Ziel, ihn schadensfrei zu stellen, noch ihm die Verantwortung abzunehmen.

Wenn das Vorhandensein einer Versicherung dazu führt, dass die Achtsamkeit oder das verantwortliche Handeln nachlassen, dann führt das dazu, dass die versicherte Gemeinschaft für die Leichtfertigkeit des Einzelnen zahlen muss – und nicht zwecks Solidarität dem Opfer unter die Arme greift. Die Struktur der Vernunft und der Solidarität dreht sich zu einem asozialen System um, in dem Schmarotzer auf Kosten der Gemeinschaft profitieren. Es darf zwar nicht pauschalisiert werden, trotzdem dürfen statistisch niederschlagende Effekte nicht ignoriert werden. Denn Versicherungen sind nichts anderes als das Abmindern der schadhaften Wirkung statistisch auftauchender Ereignisse. Nicht umsonst sitzen in den Versicherungen Mathematiker, die alle Schäden bewerten. Die meisten dieser negativen und asozialen Verhaltensänderungen lassen sich zu einem großen Teil durch eine geschickte Internalisierung der Unkosten beheben.

Ein solcher Fall sind Krankenversicherungen, bei denen der Arbeitnehmer sein volles Gehalt auch dann erhält, wenn er zu Hause bleibt. Sei es, weil er tatsächlich krank ist oder weil er montags keine Lust hat oder zu lange gefeiert hat. Finanziell wird er dadurch nicht bestraft, aber er spart sich an dem Tag den Weg zur Arbeit und die damit verbundenen Unkosten und Unannehmlichkeiten. Nimmt man den sozialen Druck und das moralische Empfinden weg, so wäre jeder als dumm zu bezeichnen, der nicht regelmäßig krankfeiert. Das führt aber dazu, dass ein Teil des asozialen Handelns aufgrund der Solidarität der Gemeinschaft nicht nur schadensfrei gehalten wird, sondern obendrein belohnt wird. Das ist eine eklatante Diskrepanz zum Grundgedanken der Versicherungen. Es wäre durchaus angebracht das ausgezahlte Gehalt auf 80 % zu reduzieren und somit den Krankenkassenbeitrag zu senken. Dadurch würde nur derjenige bestraft, der überdurchschnittlich oft krank ist oder krankfeiert. Für jenen, der chronisch krank ist oder zumindest über einen längeren Zeitraum, lassen sich einfache Regelungen finden, die ihm die Solidarität zusichern, die ihm in unserer sozialen Gesellschaft zustehen. Jedenfalls darf es kein pauschales System für Sozialversicherungen geben, solange die soziale Grundeinstellung der Individuen nicht homogen ist – und das wird sie voraussichtlich niemals sein.

Ein anderes Problem entsteht, wenn Arbeitnehmer ein fixes Gehalt erhalten, das nicht eine Funktion der Arbeitszeit darstellt. Zwar haben wir Gesetze, die regeln sollen, dass die Arbeitszeit wöchentlich bei vierzig Stunden liegen soll, dennoch zeigt sich in der Realität ein anderes Bild. Es gibt Arbeitnehmer, die ihre Stunden abarbeiten und dann ihren Hammer, ihre Computermaus oder Pinsel fallen lassen und nach Hause zu ihrer Familie, ihren Freunden gehen und von ihrem Sozialleben profitieren.

Gleichzeitig gibt es aber auch Arbeitnehmer, die unter dem Deckmantel eines höheren Gehaltes angehalten sind länger zu bleiben. Solange bis die Arbeit erledigt ist, gleichgültig wie lange es dauert. Das mag seine Vorteile haben, über längere Zeit führt es aber zu sozialen Problemen und zu einer Zeitfalle für den Arbeitnehmer. Überstunden werden zur Gewohnheit und der Arbeitgeber kann bewusst oder unbewusst den Druck kontinuierlich erhöhen und immer mehr auf den Arbeitsplan stellen, für ihn nämlich verursacht es keine Kosten.

Die Ausnahmesituation von Überstunden in Peakzeiten, wenn kurzfristig viel dringende Arbeit anliegt, wird zur Gewohnheit und der Arbeitnehmer muss hart kämpfen, um von seinem Recht Gebrauch zu machen. Die Gefahr dabei ist, dass es sich hierbei um einen schleichenden Prozess handelt. Es ist kein Schlag ins Gesicht, sondern es ist, als ob die Wände um einen herum Millimeter um Millimeter zusammen rücken und einen irgendwann zu erdrücken drohen, wenn man sich nicht gewaltsam befreit. Meist führt irgendwann kein Weg an einer Kündigung oder einem körperlichen und / oder psychischen Zusammenbruch des Arbeitnehmers vorbei, wenn sich etwas ändern soll. Weil dies aber gängige Praxis ist, wird auch dies meist nicht viel ändern und so ergibt er sich allzu oft in seine Situation und verzichtet auf sozialen Nutzen.

Das hat aber auch weitreichende Folgen für die Gesellschaft. Einerseits wird so anfallende Arbeit von weniger Menschen als sinnvoll ausgeführt und unnötigerweise Arbeitsplätze vernichtet. Andererseits führt es zu einer Entfremdung der Gesellschaft und dem vielzitierten Kind, das seine Eltern sich küssen sieht und fragt: „Mama, wer ist dieser Mann?“ Wir müssen uns von der Selbstverständnis der Arbeit trennen und zu einem Selbstverständnis der Freizeit kommen. Nicht derjenige ist asozial, der versucht seine Arbeitszeit zu begrenzen, sondern derjenige, der es nicht tut.

Hier muss dringend und kann sehr einfach ein Mechanismus gefunden werden, um diese Zwangslage zu unterbinden. Ungeachtet der Gehaltsstruktur und -summe muss eine Bedingung stets erfüllt bleiben, nämlich die, dass jede Arbeitsstunde zu einem erhöhten Gehalt führt und dass keine Stunde unter der des für die jeweilige Person gültigen Mindestlohnes liegt. Außerdem muss ab der vierzigsten Arbeitsstunde der Stundenlohn um 15 % (inklusive Zinseszins) steigen. Das würde dazu führen, dass bei einer regelmäßigen Arbeitszeit von 45 Stunden, der Arbeitnehmer für die 45. Stunde automatisch den doppelten Stundenlohn erhalten würde, für die 50. Arbeitsstunde das Vierfache. Natürlich müsste es gleichzeitig verboten sein, die Arbeitszeit nicht zu erfassen. Ab dann hat der Arbeitgeber einen starken Anreiz dem Arbeitnehmer zu sagen, dass seine Überstunden ineffizient sind und würde ihn bitten nach Hause zu gehen. Der Arbeitnehmer würde nach einer Möglichkeit suchen, die Arbeit anderweitig erledigt zu bekommen und deshalb neue Arbeitsplätze schaffen. Gleichzeitig würde er die Flexibilität wahren oder gar steigern, weil seine Arbeiter nicht an ihrer Belastungsgrenze arbeiten und kurzfristig mehr Leistung erbringen können, um dann in ruhigeren Zeiten die angehäuften „Überstunden“ abzubauen oder ausbezahlt zu bekommen. Die Interessen der Gesellschaft müssen auch in die Entscheidungsstruktur der Arbeitgeber internalisiert werden.

Es zeigt sich nämlich, dass unsere Kinder die Werte verlieren, die für eine Gesellschaft wichtig sind und das liegt daran, dass die Erwachsenen asozialer werden. Arbeit hat keinen Selbstzweck, sondern den Zweck unser soziales Leben aufrecht zu halten. Arbeit, die soziale Werte zerstört ist gefährlich und asozial!