Lampen

Reboundeffekt

Ein Grund für unseren heutigen Lebensstil ist der Reboundeffekt. Wenngleich nun viele einwenden würden, dass der technische Fortschritt und die immer weiter getriebene Entwicklung für unseren vorhandenen Komfort zuständig ist, so muss man dem entgegnen, dass diese Aussage nur partiell zutreffend ist. Ohne den Reboundeffekt würden die Gesellschaft einen Großteil der technischen Fortschritte nicht annehmen. Hieraus würde resultieren, dass das Streben nach der Entwicklung immer leistungsstärkeren Produkten nicht vorhanden gewesen wäre. Ohne das Streben nach ebendiesen Neuerungen hätten wir auch nicht den gewünschten Komfort.

Der Reboundeffekt tritt meistens dann auf, wenn auf unterschiedlichste Weise eine Effizienzsteigerung errungen wird. Nun sind etliche der Meinung, dass durch eine solche Effizienzsteigerung Energie eingespart würde. Meist stimmt es gar bei einzelnen Geräten, aber in der Summe wird ein beachtlicher Teil der Effizenzsteigerung durch steigende Komfortansprüche aufgezehrt.

Es sind unterschiedliche Denk- und Handlungsweisen, die dazu führen. Ein klassisches Beispiel ist dabei die Lichtproduktion. Durch die Entwicklung von Glühbirnen zu Energiesparlampen bis schließlich zur LED konnte immer effizienter Licht erzeugt werden, folglich müsste relativ zur Effizienzsteigerung der Stromverbrauch gesunken sein. Der Reboundeffekt macht aber einen Strich durch die Rechnung. Wenn nämlich weniger Strom gebraucht wird, um Licht zu erzeugen, warum dann nicht mehr Flächen ausleuchten? Den Garten, den Fischteich oder gleich die Hauswand? Wenn man sonst eine Schreibtischleuchte hatte, kann man jetzt mit der gleichen Strommenge den ganzen Raum beleuchten. Wenn das Licht nicht mehr so viel kostet, nun, warum sollte man sich dann die Mühe machen, jedes Mal das Licht auszumachen, wenn man den Raum verlässt? Natürlich spricht dies nicht gegen Effizienzsteigerungen, aber es verdeutlicht, dass sie selten so viel Energie sparen, wie oft propagiert wird. Das grundsätzliche Problem lässt sich sehr einfach anhand eines Gedankenganges zusammenfassen.

“Wenn Effizienzsteigerungen dazu führen, dass ich weniger verbrauche, warum können wir es denn nicht so machen, dass ich gleich viel verbrauche und dafür mehr Komfort erhalte?” Dieser Gedanke ist es im Grunde, der einen Großteil des Reboundeffekt verursacht, wobei er selten bewusst gedacht wird, sondern nur in unseren Handlungen zum Ausdruck kommt.

Autos werden immer effizienter. Was folgt ist, dass wir größere, stärkere und schwerere Autos kaufen – die gleichviel verbrauchen. Wir bauen Passivhäuser und verzichten deshalb auf einen Pullover im Winter und heizen lieber auf 26 °C. Wir installieren Lüftungsanlagen um im Winter Wärmeenergie einzusparen und lassen diese im Sommer laufen, um kein Fenster aufmachen zu müssen – und verbrauchen Strom.

Manchmal sind die Reboundeffekte derart dominant, dass eine Effizienzsteigerung dazu führt, dass noch mehr Energie verbraucht wird – wenn das passiert, spricht man von Backfire.

Die Erdölindustrie hat es wieder einmal geschafft, effizienter zu werden und kann nun kostengünstig aus Ölsanden oder mittels Fracking Erdöl gewinnen und den Energiemarkt überschwemmen. So sorgt Effizienz dafür, dass Energie günstiger wird, der Anreiz Energie zu sparen sich verringert und sparende Investitionen werden unwirtschaftlich.

Ein Handy vor 20 Jahren wurde als groß empfunden, der Akku musste wöchentlich aufgeladen werden und es wurden freudig kleinere und effizientere Modelle erwartet. Bis die Handys so effizient wurden, dass sie einen Computer teilweise ersetzen konnten und Mobiltelefone größer und größer wurden und täglich den Akku – der wesentlich mehr Energie speichern kann – leersaugen. Das Internet muss mobil werden und so werden überall Sendestationen errichtet und immer größere Server regeln die Datenfluten und es werden milliardenfach Daten ausgetauscht, Bewegungs- und Nutzungsprofile ausgewertet und gespeichert. Das ist das, was uns in Verbindung mit Effizienzsteigerungen dazu gebracht hat, so zu leben, wie wir leben. Wenn wir dies nicht hinterfragen, werden wir mit Effizienzsteigerungen nicht unseren Energiekonsum reduzieren, sondern immer neue Bereiche unseres Lebens technologisieren. Elektrisch betriebene Solowheels nehmen uns das zu Fuß gehen ab, damit wir abends nicht zu müde sind, um auf einem elektrisch betriebenen Laufband im Fitnessstudio unseren Körper zu stählen, bevor wir aufgrund des Muskelkaters die elektrische Zahnbürste verwenden.

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Dieser Beitrag ist auch zu finden bei: einfachnachhaltigbesserleben.blogspot.de

6 Gedanken zu „Reboundeffekt“

  1. Hallo Marc, ich finde deinen Artikel interessant. Vor kurzem habe ich einen Podcast zum Thema gehört. Es wurde geschildert, dass man den Rebound Effekt kaum steuern kann. Wenn zum Beispiel die Europäer aus Umweltgründen weniger Öl verbrauchen, sinkt der Ölpreis und anderswo auf der Welt steigt deswegen der Verbrauch drastisch. So war es beispielsweise auch, als in Europa kaum mehr Tropenholz gekauft wurde wegen der Nachhaltigkeit. Es wurde billig und in Massen nach China exportiert. Das Phänomen ist also ziemlich komplex. Dennoch denke ich, dass jeder für seinen Konsum verantwortlich ist und so nachhaltig leben sollte, wie möglich.
    LG Amely

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  2. Oh, dein letzter Satz fasst das alles wunderschön zusammen. Die ganze Absurdität des Systems.
    Ich gebe dir vollkommen recht bei deinen Überlegungen: Effizienzsteigerungen waren nur selten die Ursache von geringerem Verbrauch, sondern haben eher zu einer Steigerung der Komfortansprüche geführt. Erst gestern habe ich mit meiner Schwiegermutter darüber gesprochen, ob es heute wirklich „besser“ oder einfach nur bequemer lebt. Sie fand dann auch, dass es früher zwar anstrengender, aber nicht zwangsläufig schlechter war…

    LG, Daniela

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  3. Das regt zum Nachdenken an! Jeder sollte mal seinen eigenen Alltag kritisch überprüfen, wo dieser Effekt zum Ausdruck kommen könnte. Denn es passiert ja offenbar ganz unbewusst! Vielen Dank fürs Teilen bei „einfach. nachhaltig. besser. leben.“!
    Viele Grüße, Marlene

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  4. Hallo!

    Den Rebound-Effekt habe ich auch auf meiner „was ich alles nicht mehr hinnehmen will“ – Liste. Er ist nämlich u.a. auch dafür verantwortlich dass so viel Müll produziert wird.

    Weil Kleidung so billig geworden ist, kaufen wir gleich doppelt so viel und werfen sie in kürzerer Zeit weg. Das ist wohl dann backfire.

    Und die Aktion 2+1 gratis fällt auch hier rein. Warum kaufe ich nicht gleich ein zweites Produkt und das dritte bekomme ich geschenkt? Entweder es wird schlecht und ich muss es wegwerfen oder ich esse es auf und es landet als Speck auf meinen Hüften und macht mich krank. Hoch lebe die Medizin, die meinen Bluthochdruck und mein Diabetes reguliert.

    Danke für Deinen anregenden Beitrag und fürs Verlinken zu EiNaB! Du hast eines meiner liebsten Themen getroffen!

    lg
    Maria

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    1. Hallo Maria,
      stimmt, das sind noch Aspekte an die ich noch nicht in Bezug zu Reboundeffekten nachgedacht habe. Aber ja, das ist wo uns der Fortschritt und die Ausbeutung ärmerer Menschen hinführt. Wenn wir nicht den Preis dafür zahlen, was es fairer Weise kosten müsste, dann verbrauchen wir davon. Und tatsächlich könnten wir uns oft negative Folgen durch einfachen Verzicht oder bewussten Konsum ersparen.
      lg,
      Marc

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